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Rennwagen, Radnaben und ein Porsche aus Lego - Das Porsche Museum Stuttgart
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Rennwagen, Radnaben und ein Porsche aus Lego - Das Porsche Museum Stuttgart

Porsche Museum Stuttgart

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4 Min. Lesezeit

Standort

Rennwagen, Radnaben und ein Porsche aus Lego - Das Porsche Museum Stuttgart

Letzter Tag der Woche. Nach dem Mercedes-Benz Museum am Vortag war die Erwartungshaltung klar definiert: Porsche wird anders sein. Kleiner wahrscheinlich, fokussierter sicher, und mit einem anderen Verhältnis zur eigenen Geschichte. Was ich nicht erwartet hatte: dass der erste wirklich überraschende Moment schon bei den allerersten Exponaten passiert - und sich um Elektromotoren dreht.

Ankommen in Zuffenhausen

Das Museum liegt direkt neben dem Porsche-Werk in Stuttgart-Zuffenhausen, und schon die Architektur macht eine Ansage: Das Gebäude schwebt optisch über dem Boden, der Eingang führt in eine Halle, die sich nach oben öffnet. Alles sehr weiß, sehr aufgeräumt, sehr Porsche.

Porsche Museum Außenansicht

Im Vergleich zum Mercedes-Benz Museum, das einen durch Epochen und Zeitgeist führt wie durch ein Geschichtsbuch, ist das Porsche Museum mehr Galerie als Zeitreise. Die Exponate stehen im Raum, beleuchtet wie Kunstobjekte. Was Porsche hat, zeigt Porsche - und das mit einer Selbstsicherheit, die man entweder beeindruckend oder etwas selbstverliebt finden kann. Ich fand es beeindruckend.

Zwischen Lohner-Porsche und Le-Mans-Legende habe ich mir ca. drei Stunden Zeit gelassen - mit einem Kaffee zwischendrin und einer Currywurst im Museumsrestaurant. Kein schlechtes Mittagsprogramm.

Die Überraschung am Anfang: Porsche war zuerst elektrisch

Wer Porsche mit Boxermotor, Heckmotor und Benzingeruch gleichsetzt, wird am Anfang der Ausstellung kurz gestoppt. Der Lohner-Porsche aus dem Jahr 1900 - ein Elektrofahrzeug mit Radnaben-Elektromotoren direkt in den Vorderrädern - ist einer jener Momente, bei denen man kurz nachrechnen muss, ob man die Jahreszahl richtig gelesen hat. 1900. Radnabenantrieb. Das Prinzip, über das heute wieder intensiv diskutiert wird, hat Ferdinand Porsche vor 125 Jahren schon ausprobiert.

Gleich in der nähe der Luftgekühlte Boxermotor, aufgeschnitten und freistehend - als hätte jemand einen 911 ausgeweidet und die Innereien zur Schau gestellt. Schön unverkleidet.

Luftgekühlter Boxermotor aufgeschnitten

Die Sau - und andere Le-Mans-Legenden

Wer Motorsport mag, wird in der Rennsport-Sektion länger stehen als geplant. Der Porsche 917/20 - intern und liebevoll “Die Sau” genannt - ist in seiner rosa-weißen Metzgerei-Beschriftung schlicht eines der ikonischsten Rennfahrzeuge der Geschichte. Le Mans 1971, gebaut als aerodynamisches Versuchsfahrzeug, mit einer extrem breiten Karosserie und stark abgerundeten Radausschnitten. Designer Anatole Lapine entschied sich für rosafarbenen Lack und beschriftete die einzelnen Karosseriepartien wie Teile eines Schweins - Rüssel, Schwanz, Bauch. Das Ding sah auf der Strecke absurd aus - und gewann trotzdem das Vortraining. Im Hauptrennen fiel es kurz vor Schluss durch einen Unfall aus. Die Geschichte wäre mit einem Sieg runder gewesen, aber irgendwie passt das Ende auch zur Maschine.

Porsche 917 "Die Sau"

Daneben Le-Mans-Fahrzeuge aus anderen Epochen, Rennwagen, deren Innenleben man ebenfalls einsehen kann - Cockpit, Technik, Rohrleitungen, alles auf engstem Raum.

Le-Mans Fahrzeug Innenleben

Doris und Edith

Zwei 911 Carrera 4S, stark modifiziert, beide mit einem Namen - und beide mit einer Geschichte dahinter, die deutlich größer ist als ein Ausstellungssockel vermuten lässt. Im Dezember 2023 fuhr Rennfahrer Romain Dumas mit diesen beiden Fahrzeugen auf den Vulkan Ojos del Salado in Chile - und stellte mit “Edith” auf 6.721 Metern einen neuen Höhen-Weltrekord für Kraftfahrzeuge auf. Portalachsen, 350 Millimeter Bodenfreiheit, Aramidfaser-Unterbodenverkleidung, Steer-by-Wire - und darunter unverändert der Serien-Sechszylinder-Boxermotor, der mit eFuels betrieben wurde. Dass ausgerechnet ein 911 da hinaufkommt, wo noch kein Auto zuvor war, ist eigentlich eine typisch Porsche-Geschichte: Das Fahrzeug hat keinen Sinn dort oben zu sein. Und macht es trotzdem.

Technik zum Anfassen - und ein aufgeschnittener Panamera

Einer der stärkeren Momente im Museum ist der der Länge nach aufgeschnittene Panamera. Man steht daneben und schaut in ein Auto wie in ein Puppenhausmodell - Sitzschalen, Armaturenbrett, Tunnel, Bodengruppe, alles auf einen Blick, als hätte jemand beschlossen, ein 90.000-Euro-Auto einfach mal aufzusägen. Das erklärt mehr über Fahrzeugarchitektur als jede Broschüre.

Panamera aufgeschnitten

Das Ausstellungsstück, das man nicht erwartet

Irgendwo zwischen zwei echten Rennwagen steht ein Porsche aus Lego. Nicht ein Modell - sondern ein 1:1-Lego Speed Champions 911 Turbo, in Lebensgröße, auf einem Podest. Silber, eckig, mit diesen unverkennbar pixeligen Lego-Scheinwerfern und einem Porsche-Emblem, das irgendwie trotzdem echt wirkt.

Lego 911 Turbo in Lebensgröße

Praktische Infos

Das Porsche Museum ist kompakter als das Mercedes-Benz Museum, aber nicht weniger dicht. Zwei bis drei Stunden sind realistisch, ohne zu hetzen. Das Restaurant im Untergeschoss macht sein Ding ordentlich - die Currywurst ist standesgemäß.

AdressePorscheplatz 1, 70435 Stuttgart-Zuffenhausen
ÖffnungszeitenDi-So 9-18 Uhr, Mo geschlossen
EintrittAktuelle Preise auf der Website
AnreiseS-Bahn S6, Haltestelle Neuwirtshaus / Porscheplatz
Websitemuseum.porsche.com

Fazit

Das Porsche Museum ist kein Museum, das einem erklärt, wie die Welt war, als diese Fahrzeuge gebaut wurden. Es erklärt einem, was Porsche ist - und ist sich dabei sehr sicher. Die Architektur, die Beleuchtung, die Art, wie Fahrzeuge im Raum stehen: Das ist Markeninszenierung auf hohem Niveau, aber auch echte Substanz darunter. Der Lohner-Porsche allein ist einen Besuch wert. Dass daneben “Die Sau” und ein aufgesägter Panamera stehen, macht die Sache nicht schlechter. Man darf sich leider nur in einen Boxster setzen … Für Fotos und die Schlange war dort seeehr lang und ja ist halt nur ein Boxster. Aber sonst spannender Besuch in Zuffenhausen.

Eine gute Woche geht zu Ende. Sinsheim, Speyer, der Hockenheimring, Stuttgart - und dazwischen mehr Schrittzähler-Kilometer als in meiner typischen Woche.